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© Rhein-Neckar-Zeitung vom 25.10.2019

Leutershausen

Ein Tanz, der weltweit verbindet

Wer die Grundfiguren beherrscht, kann überall Square Dance tanzen - Volkshochschule bietet Schnupperkurse an

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Der Verein "Mannheim Old West Squares", der mit der VHS den Schnupperkurs anbietet, zeigte, was Square Dance ausmacht. Foto: Dorn

Von Anja Stepic

Hirschberg-Leutershausen. Was für nette Menschen! Das ist das erste, was sofort auffällt, bevor es überhaupt losgeht mit dem "Square-Dance-Schnupperkurs" im großen Saal des Hilfeleistungszentrums. In der Küche richten Kursleiterin Claudia Bauer und ein paar emsige Damen in bunten Kleidern und rauschenden Petticoats schnell noch den Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Schließlich soll in den kommenden drei Stunden hier niemand verhungern.

Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts, ein herzliches Lächeln und eine Umarmung, so wird jeder begrüßt, der noch zur Tür hereinkommt. Kursleiter Gerd Grohmüller und die anderen Herren in Westernhemden und langer Hose kümmern sich derweil schon mal um die "Neuen" im Raum. Sieben Frauen, die neugierig sind auf Square Dance und das gerne mal ausprobieren würden.

Square Dance ist ein Volkstanz aus der Gründerzeit Amerikas mit zahlreichen europäischen Einflüssen, der heute überall auf der Welt meist zu Country- und Westernmusik, aber auch zu geeigneten Popsongs getanzt wird.

Keine fünf Minuten dauert es, da gehören auch die Neueinsteiger so selbstverständlich dazu, als wären sie schon ewig dabei. Dass diese völlig unvoreingenommene Offenheit aber kein Zufall ist, sondern zum Square Dance fest dazugehört, wird man später noch erfahren. Zum Auftakt gibt es aber von den Tänzern des Vereins "Mannheim Old West Squares", die diesen Schnuppernachmittag in Kooperation mit der VHS anbieten, eine kleine "Demo" von dem, was die Teilnehmer in drei Stunden dann auch können werden.

Beim Square Dance wird im Quadrat getanzt, daher auch der Name. Jeweils vier Tanzpaare bilden ein "Square". Es gibt aber keine feste Schrittabfolge wie bei anderen Tänzen, sondern es werden einzelne Figuren von einem "Caller" angesagt, die sie fließend so aneinanderreiht, dass die Paare dazu tanzen können. Keiner der Tanzenden kennt also den nächsten Schritt, was jeden Tanz wieder ganz neu und anders macht. "Der Caller ist also der wichtigste Mann beim Square Dance", erklärt Kursleiter Grohmüller. Für die Tänzer heißt das vor allem "gut zuhören", was Uwe Kraemer-AveMarie ansagt. Er ist seit vier Jahren "Caller" im Verein und macht seine Sache fantastisch. Angesagt werden die Figuren wie "Allemande Left", "Promenade" oder "Circle to a line" ausschließlich in englischer Sprache, damit man überall miteinander tanzen kann.

Denn das ist das Besondere am Square Dance: Wer die rund 60 Grundfiguren einmal erlernt hat, kann nach bestandener Prüfung, der Graduation, bei Clubabenden und Events überall auf der Welt mittanzen. Der "Caller" entscheidet, wer seine Urkunde bekommt. "Also eine geschenkte Nummer ist das nicht", sagt einer der Tänzer. Das aber auch aus gutem Grund, denn wenn bei großen "Specials" um die 500 Paare tanzen, dann sollte das schon klappen. Lernen kann man die Figuren in der Regel innerhalb von einigen Monaten in Square-Dance-Clubs.

Ein solcher ist auch der Verein "Mannheim Old West Squares", der regelmäßig Anfängerkurse anbietet. Jeder ist hier willkommen, Jung und Alt, Menschen von jedem Bildungsgrad. Alle reden sich mit dem Vornamen an. Was alle vereint, ist der Spaß am Tanzen. "Ich kenne sonst nichts, wo man auch als Single einfach so hingehen und dazugehören kann", sagt ein Tänzer. Allein in Deutschland und den angrenzenden Ländern gibt es umdi e 540 Square-Dance-Clubs.

Jeder dieser Vereine organisiert Clubabende und Veranstaltungen, die sogenannten "Specials", zu denen sich die Squaredancer gegenseitig besuchen. Der Mannheimer Verein, der rund 80 Mitglieder hat, bekommt etwa jeden zweiten Clubabend Besuch von Gasttänzern, die zum Teil von Club zu Club reisen. Und noch etwas ist speziell an den "Specials": Es herrscht dort striktes Alkoholverbot. "Das würde ganz einfach stören", sagt einer der Tänzer. Dafür gibt es dann die "After Party".

 

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